Die Kluft zwischen Arm und Reich怎么看中国1%的家庭掌握全国41.4%的财富

Von Qiu Lin 邱林. Originalartikel: Zhongguo Qiyejia (China Entrepreneur) vom 9.12.2011.

Übersetzung:

Was ist davon zu halten, dass 1% von Chinas Familien über 41.4% des Reichtums des Landes verfügt?

Die kürzlich von der Science Press veröffentlichte “Studie zum Wandel der Konsumbedürfnisse von Chinas Bevölkerung und ihrer Einflußfaktoren“ bringt ans Licht, dass sich die Einkommensschere zwischen 1985 und 2009 kontinuierlich weiter aufgetan hat.
So ist zum Beispiel die Schere zwischen der höchsten städtischen Einkommensgruppe und der niedrigsten, bezogen auf das jährliche Durchschnittseinkommen, von 1985 bis 2009 vom 2.9-fachen auf das 8.9-fache gestiegen und tendiert zu einer weiteren Vergrößerung. In Guangdong ist der Wert noch höher, der Unterschied beträgt dort das 9.49-fache.

In der Tat hat die sich täglich vergrößernde Kluft zwischen Arm und Reich längst die breite Aufmerksamkeit aller gesellschaftlichen Schichten erregt, der Gini-Koeffizient bildete in den letzten Jahren eine der brisanten statistischen Zahlen. Die Statistik belegt, dass Chinas Gini-Koeffizient von 0.28 zu Beginn von Reform und Öffnung auf 0.48 im Jahr 2007 gestiegen ist und in den letzten zwei Jahren unentwegt weiter nach oben ging, er liegt jetzt bereits über 0.5. Nach der international gebräuchlichen Statistik bedeutet ein Gini-Koeffizient von über 0.4, dass sich der Reichtum eines Landes bereits übermäßig in den Händen einer Minderheit konzentriert.

Nach einem Bericht der Weltbank besitzt 1% von Chinas Familien 41.4% des Reichtums des Landes, in den USA verfügen 5% der Bevölkerung über 60% des Gesamtvermögens. Die Reichtums-Konzentration in China übersteigt bereits bei weitem die in den USA, was es zu einem der Länder mit der weltweit gravierendsten Polarisierung macht. Und für diese Tendenz des Auseinanderdriftens ist noch kein Ende in Sicht. Das ist ein deutliches Signal dafür, dass ernste Risse im chinesischen System des allgemeinen Wohlstands bestehen.

Man sollte erwähnen, dass im Zeichen der globalen Finanzkrise die Zahl der neu hinzugekommenen Reichen in den wichtigsten Industrieländern zurückgegangen ist, wohingegen die Zahl von Chinas Reichen sprunghaft gestiegen ist. Im Jahr 2010 sind Chinas Millionäre mit einem Schlag weltweit auf den dritten Platz katapultiert worden, und dieser beachtliche Zuwachs bestätigte eine Aussage vieler ausländischer Medien: „Die Chinesen werden immer reicher.“

Nach dem „Global Wealth Report“ der Boston Consulting Group wird der Zuwachs bei Chinas Millionären in den nächsten fünf Jahren 18% betragen, und diese Superreichen werden sich hauptsächlich in den Bereichen Finanzwirtschaft, Immobilien, IT, Handel und Dienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe und Energie zeigen.

Der Zeitraum für die Akkumulation von Reichtum bei Chinas Vermögenden ist extrem kurz, was das Problematische an der Herkunft des Reichtums enthüllt. Im Ausland brauchen die Reichen im Schnitt 15 Jahre, um 100 Millionen RMB zu verdienen, und um aus 100 Millionen RMB eine Milliarde zu machen, braucht man im Ausland 10 Jahre, in China hingegen nur drei.

Nach der Aussage von jemandem, der in reichen Kreisen ein- und ausgeht, gibt es neben den auf normalem Wege zu Reichtum gekommenen Schwerreichen noch eine große Gruppe von „drei Typen“: der erste Typ ist mittels Macht- und Kapitalpfründen zu seinem Reichtum gekommen, der zweite Typ hatte Einkommen aus grauen Quellen, der dritte ist in einer Energie- oder Monopol-Branche aktiv, wie z.B. im Bergbau. Er ist der Meinung, dass von den Mächtigen und Reichen nur 30% durch harte Arbeit reich geworden sind.

Wenn man wissen will, ob diese Aussage haltbar ist, muss man sich nur die Statistik ansehen, nach der „1% der Familien Chinas 41.4% des Reichtums des Landes auf sich vereint“ – sie lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Diese Zahl übersteigt nicht nur die der etablierten kapitalistischen Länder, sondern liegt auch höher als während des „Vergoldeten Zeitalters“ in den USA. 1929 verfügte 1% der Familien in den USA über 31.6% des Reichtums, und dies mündete in die Große Depression. Heute besitzt 1% der Familien 41.4% von Chinas Reichtum – folgt man dieser Theorie, dann lässt sich prophezeien, dass Chinas Krise noch bevorsteht.

Einige chinesische Wissenschaftler kontern jedoch damit, dass die Konzentration von Reichtum ein notwendiger Prozess in der gesellschaftlichen Entwicklung sei. Die klassische Theorie vom „Durchsickern“ nach dem Motto „nur wenn die Reichen geschützt werden, können die Armen reich werden“ (womit im Wesentlichen gemeint ist, dass der Reichtum der oberen Schichten notwendigerweise zu den unteren durchsickert), verkauft sich beim Volk gut. Eine Verurteilung der Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich wird von dieser Theorie als „Reichenhaß“ abgetan. Sie ist jedoch bereits von einer harten Tatsache widerlegt worden, nämlich: die Reichen machen keineswegs die Armen wohlhabend, sondern nur sich selbst immer reicher.

Richtiger gesagt zeichnet sich die Tendenz zu einer Verfilzung von Beamten und Geschäftsleuten und zu Deals zwischen Macht und Geld immer deutlicher ab. Die soziale Waage neigt sich weiter, was bewirkt hat, dass heute in China die Diskrepanz zwischen Arm und Reich bereits die größte weltweit ist. Wenn sich der Reichtum eines Landes zu einem Großteil im Besitz einer winzigen Minderheit befindet, dann ist ein unverhältnismäßig niedriger Konsum die notwendige Folge. Chinas derzeitige Kluft zwischen Arm und Reich drückt sich sowohl in einem Auseinanderdriften von Einkommen und Vermögen aus, als auch in einer ungerechten Verteilung; deshalb haben wir es nicht nur mit einem wirtschaftlichen, sondern auch mit einem gesellschaftlichen Problem von Fairness und Gerechtigkeit zu tun.

Das objektiv bestehende Gefälle zwischen Arm und Reich in China und die ernste Bedeutung der Polarisierung kann niemanden, der um das Schicksal des Landes besorgt ist, kaltlassen. Wenn man nicht den Mut oder Willen hat, sich diesem Problem zu stellen, dann kommt das einem Selbstbetrug gleich. Wenn die Beamten der verschiedenen Ebenen nicht in der Lage sind, das Problem anzugehen, dann ist eine Lösung nicht möglich. Wenn aber ein Land, das eine harmonische Gesellschaft und gemeinsamen Wohlstand hochschätzt und anstrebt, nicht in der Lage ist, die Kluft zwischen Arm und Reich wirksam zu überbrücken, dann bleibt die Vision der Harmonie überwiegend bei den Worten stehen.

Geht man in der Schlußfolgerung einen Schritt weiter, so weist die übermäßige und prekäre Einseitigkeit des bei einer Minderheit angesiedelten Reichtums darauf hin, dass die gravierende systemische Korruption und das Ressourcen-Monopol die große Mehrheit der Bürger ihrer Möglichkeiten zu Entwicklung und zum Wettbewerb berauben. Mittel– und langfristig gesehen ist die übermäßige Konzentration von Reichtum auf eine Minderheit dazu bestimmt, Chinas Wettbewerbsfähigkeit zu unterminieren, Werte, die die Schlüsselfaktoren der Produktion betreffen, zu schmälern und einen neuen Wachstumszyklus zu verhindern, was möglicherweise letztlich verheerende Folgen hat: das Platzen der Vermögensblase und das Zunehmen von sozialen Unruhefaktoren.